Elektrostimulation am Auge

Elektrostimulation am Auge

Transkorneale Elektrostimulation mit dem OkuStim® System:
eine äußerlich anwendbare Behandlung bei retinalen Dystrophien für den Einsatz daheim.

Eine Behandlungsperspektive

Die Elektrostimulationstherapie mit dem OkuStim® System kann es ermöglichen, bei der degenerativen Netzhauterkrankung Retinitis Pigmentosa die Einengung des Gesichtsfeldes zu verlangsamen und die nutzbare Sehfähigkeit länger zu erhalten.

Präklinische Studien haben gezeigt, dass die Elektrostimulation mit schwachen Strömen neuroprotektive Signalwege in der erkrankten Netzhaut aktiviert, die eine zellerhaltende Wirkung haben. Dies kann die Degeneration der Netzhautverzögern und die Funktion noch vorhandener Zellen länger erhalten(1,2). Gemessen bzw. untersucht werden kann diese Zellerhaltung beispielsweise durch molekulare Untersuchungen und durch elektrophysiologische Messungen. So stellt ein Elektroretinogramm (ERG) die elektrische Aktivität der Zellen als Reaktion auf eine Lichtreizung dar.

Okuvision entwickelte die Elektrostimulationstherapie mit dem OkuStim® System, um das Auge mit schwachen Strömen zu stimulieren und um neuroprotektive Wirkungen in der Netzhaut auszulösen.

Die Therapie kann nach einer fachlichen Einführung selbständig daheim angewandt werden. Die Sicherheit der OkuStim®- Anwendung wurde in zwei verschiedenen klinischen Studien belegt(3,4) und von Expertengremien aus Ärzten und Vertretern der Patientenorganisation PRO RETINA bestätigt.


Abbildung der drei Elemente der OkuStim®-Therapie

Das OkuStim® System

Das OkuStim® System besteht aus drei Komponenten: dem OkuStim® Gerät, der OkuSpex® Brille und den OkuEl® Elektroden. Durch das OkuStim® Gerät werden die Augen mittels OkuEl® Elektroden mit einem schwachen elektrischen Strom stimuliert.

Abbildung der RI OkuSpex®-Brille

Die OkuSpex® Brille

Die OkuSpex® Brille dient als Halterung für die Elektroden direkt am Auge. Die Brille kann leicht an die individuelle Gesichtsform angepasst werden.

Abbildung der RI OkuEl®-Elektroden

Die OkuEl® Elektroden

OkuEl® Elektroden sind haarfeine, 100 µm dünne Elektrodenfäden, die unterhalb der Pupille auf die Augenoberfläche gelegt werden. Sie sind zur einmaligen Anwendung geeignet, für Patienten kaum spürbar und können auch von Sehbehinderten mit etwas Übung selbständig in die Halterungen der OkuSpex® Brille eingesetzt werden.

Abbildung des RI OkuStim®-Geräts

Das OkuStim® Gerät

Auf der Speicherkarte des OkuStim® Geräts sind die individuellen Behandlungsparameter des Patienten gespeichert. Diese werden von einem Arzt eingestellt. Das OkuStim-Gerät verfügt über ein Display und eine Tonausgabe, für alle wesentlichen Hinweise über den Betriebszustand des Gerätes, so dass auch Patienten in einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium problemlos damit umgehen können.


Abbildung des OkuStim®-Geräts

Mit der TES Therapie beginnen

Die Bedienung des OkuStim® Systems für die transkorneale Elektrostimulation ist leicht, so dass die Therapie je nach Ermessen eines Arztes selbstständig beim Patienten zu Hause stattfinden kann. Nach einer gründlichen ophthalmologischen Untersuchung werden durch eine Messung der Phosphenschwelle die individuellen Behandlungsparameter des Patienten festgelegt und auf der Speicherkarte des OkuStim® Geräts gespeichert. Dann kann der Patient mit der Stimulation beginnen.

In Deutschland erhalten Sie Ihr OkuStim® System bei einem qualifizierten Low-Vision Optiker. Diese übernehmen die Auslieferung, den technischen Service und die Betreuung von Anwendern.

Abbildung der RI OkuSpex®-Brille

Die Anwendung

Auf Basis von klinischen Studien wird derzeit eine Stimulationssitzung von 30 Minuten pro Woche empfohlen.

Während der Therapie hält der Patient die Augen geschlossen. In dieser Zeit überwacht das OkuStim® Gerät ständig den Widerstand an den Elektroden. Die Therapie kann jederzeit durch Drücken der Pause-Taste unterbrochen werden.

Klinisch erprobt

Bisher wurde die TES Therapie mit dem OkuStim® System bei ca. 170 Patienten im Rahmen von Studien auch über längere Zeiträume angewandt.

Pilotstudie EST I

Die an der Universitäts-Augenklinik Tübingen durchgeführte Pilotstudie zeigte, dass die OkuStim®-Therapie sicher ist und positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf von RP-Patienten haben kann. (3)




ClinicalTrials.gov Identifier: NCT00804102
Publikation: (3) Schatz et al., 2011

 

Langzeitstudie EST II

Die zweite Langzeitstudie, die an der Universitäts-Augenklinik Tübingen durchgeführt wurde, bestätigte in einer 52 Wochen dauernden, wöchentlichen Anwendung der TES Therapie mit dem OkuStim® System die Sicherheit und zeigte eine signifikante Verbesserung der Zellaktivität, was auf eine Verlangsamung des Krankheitsfortschritts hindeutet. (4)

ClinicalTrials.gov Identifier: NCT01837901
Publikation: (4) Schatz et al., 2017

Anwendungsbeobachtung

Im Rahmen der „TESOLA“ Anwendungsbeobachtungsstudie, die über 24 Wochen in elf europäischen Klinikzentren von Oslo bis Florenz mit 105 RP-Patienten stattfand, wurde die Sicherheit der OkuStim®-Therapie klar bestätigt. (5)



ClinicalTrials.gov Identifier: NCT01835002 (TESOLA), NCT01847365 (TESOLA UK)
Publikation: (5) Wagner et al., 2017

 

Meine Therapie

Wir beraten und begleiten Sie gerne auf dem Weg zu Ihrer TES Therapie. Mit welchen Schritten dies im Einzelnen verbunden ist, erfahren Sie hier.


QUELLEN

  1. Fu L, Lo AC, Lai JS, Shih KC. The role of electrical stimulation therapy in ophthalmic diseases. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2015;253(2):171-6.
  2. Pardue MT, Allen RS. Neuroprotective strategies for retinal disease. Prog Retin Eye Res. 2018;65:50-76.
  3. Schatz A, Röck T, Naycheva L, Willmann G, Wilhelm B, Peters T, et al. Transcorneal electrical stimulation for patients with retinitis pigmentosa: a prospective, randomized, sham-controlled exploratory study. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2011;52(7):4485-96.
  4. Schatz A, Pach J, Gosheva M, Naycheva L, Willmann G, Wilhelm B, et al. Transcorneal Electrical Stimulation for Patients With Retinitis Pigmentosa: A Prospective, Randomized, Sham-Controlled Follow-up Study Over 1 Year. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2017;58(1):257-69.
  5. Wagner SK, Jolly JK, Pefkianaki M, Gekeler F, Webster AR, Downes SM, et al. Transcorneal electrical stimulation for the treatment of retinitis pigmentosa: results from the TESOLAUK trial. BMJ Open Ophthalmol. 2017;2(1):e000096.